Der folgende Text gibt die Rede von Chief Seattle (Sealth) bei der Versammlung der Häuptlinge 1854, vor den Indianerverträgen, wieder. ... Häuptling Seattle gehörte zu dem kleinen Stamm der Suquamish; nach anderer Schreibweise Duwamish. Ihr ursprüngliches Siedlungsgebiet war um den Abfluß des Washington Sees herum. Die Spuren dieses einst so zahlreichen Volkes verlieren sich um 1910.

Präsident in Washington war zur Zeit der Rede Franklin Pierce, unrühmlich bekannt wegen seiner Unterstützung der Sklaverei in den Südstaaten. Es zeigte sich, daß von ihm die Indianer keine Unterstützung und auch kein Verständnis erwarten konnten.

Niemand, der den hier wiedergegebenen Text liest, wird sich der Weitsicht der Gedanken entziehen können. Diese Rede ist aber nicht nur ein Dokument, aus dem wir lernen können für einen besseren Umgang mit der Natur, es ist auch ein Dokument gebrochener Verträge des Weißen Mannes mit den Indianern, ein Dokument, das belegt, mit welchen Opfern - dem Untergang des indianischen Volkes - der Aufstieg der Vereinigten Staaten durchgesetzt wurde.

Die Eindordnung in den geschichtlichen Kontext der Vernichtung des indianischen Volkes durch die weißen Siedler und Einwanderer kann helfen, daß diese Rede nicht mißverstanden wird als natur-romantische Schwärmerei. Sie ist eben nicht nur ein Dokument des Umgangs mit der Natur, sondern mehr noch ein Dokument des Umgangs des Menschen mit dem Menschen.

Tilman Schmieder

 

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